Herbst 2011 – auf dem Kundenforum einer Unternehmensberatung. Meine Frau und ich sitzen in der ersten Reihe. Der nächste Vortrag beginnt. Ein Vorstandsmitglied eines großen deutschen Unternehmens betritt die Bühne. Hinter ihm die Leinwand. In beeindruckender Größe projiziert der Beamer die erste Folie des Redners. Zeile für Zeile liest dieser mit tönender Stimme vor, was hinter ihm ohnehin an der Wand steht. Damit es nicht langweilig wird, dürfen wir mittendrin in der Folie kleine, bunte Diagramme bewundern. Ich erkenne, diese Diagramme sind aufwendig und durchaus professionell in Excel erstellt – nur leider so klein, das niemand ausnehmen kann, was dort eigentlich steht.

Nach 10 Minuten holen die ersten Zuhörer ihre Handys hervor, es entsteht spürbare Unruhe im Saal. Ich kann die Konzentration und den Fokus auf diese Präsentation vor meinem geistigen Auge aus dem Saal schleichen sehen. Wenn ich mich umsehe, erblicke ich eindeutig gelangweilte Zuhörer, einige unterhalten sich bereits offen mit ihrem Nachbarn.

Plötzlich schaltet der Redner den Projektor aus und trägt in freiem Vortrag seine persönlichen Erfahrungen zu einem Teilaspekt seiner Rede vor. Dabei spricht er locker, ohne Vorlage, in einfacher Umgangssprache. Sofort wird es ruhig im Saal. Die Handys verschwinden, nach nicht mal einer Minute hängen ihm alle Zuhörer an den Lippen. Jeder ist gespannt, was er als nächstes „Aus dem Nähkästchen“ plaudert.

Dann erfolgt in Form einer echten Kneippanwendung – kalt – warm – kalt – die Kehrtwende. Er schaltet abermals den Projektor ein und trägt wieder in monotoner, geschliffener Schriftsprache vor. Sofort verliert er die Aufmerksamkeit. In dieses Redners Brust schlummern wahrlich zwei Präsentations-Seelen. Eine heißt „folienunterstütztes Ablesen“, die andere nennt sich „Ich bin ganz ich selber und zeige mich, wie ich bin. “.  Welchem dieser beiden Redner-Hälften hätten Sie lieber zugehört, meinen Sie?

Vor allem, was können Sie für Ihre nächste Präsentation daraus lernen?

Der Einsatz von projizierten Folien macht es nahezu unmöglich, die Aufmerksamkeit unserer Zuhörer zu gewinnen. Unser Gehirn braucht Spannung, damit es aufmerksam bleibt. Wie können Sie also Spannung aufbauen – in Ihrer Präsentation?

Welche Alternativen gibt es, wenn Sie Ihre Ausführungen auch über den visuellen Kanal Ihren Zuhörern vermitteln möchten ?

Antworten auf diese Fragen bringt der nächste Blog.